Mahnwache zum 7. Oktober

Ich habe sehr gerne geredet bei der Mahnwache zum Gedenken an den Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

Manche sagen ja: Das ist so ein Reflex. Die Deutschen stehen halt immer an der Seite Israels. Ich sage: Das ist alles andere als ein Reflex. Das ist wohlüberlegt.

Denn wir sehen die historische Dimension. Wir sehen unsere deutsche Geschichte — und damit meine ich nicht nur den Holocaust, sondern auch die Jahrhunderte jüdischer Geschichte in Europa. Und wir sehen die historische Dimension im Nahen Osten. 

Wenn wir auf Israel schauen, worauf schauen wir da? Wir sehen ein demokratisches Land. Ein Land, in dem jeder seine Meinung sagen darf. ein ÖLand mit einer starken Oppositionsbewegung gegen die eigene Regierung. Ein Land, in dem Frauen, so wie ich, selbstverständlich gleichberechtigt sind. Und ein Land, in dem queere Menschen sich nicht fürchten müssen. Wo sollten wir denn sonst stehen, als an der Seite Israels?

Am 7. Oktober hat die Hamas einen Anschlag auf die Menschlichkeit verübt. Ich weigere mich nach wie vor, mich mit den Details zu beschäftigen, ich will diese Bilder nicht im Kopf haben. Und doch: als vor ein paar Wochen mein Mann und mein Sohn auf einem Techno-Festival waren in Norddeutschland, da waren sie natürlich doch da, die Bilder. 

Und jetzt sehen wir jeden Tag in den Nachrichten, welche Folgen der Anschlag hatte. Wir sehen die Kette von Gewalt und Verbrechen, die Kriegsverbrechen, die auch deutlich benannt werden müssen. Wir fragen uns, wie dort je wieder Frieden herrschen soll. Omri Boehm, der israelische Philosoph hat gesagt: Am 7. Oktober hat die Hamas hat einen Anschlag verübt auf die Idee des Zusammenlebens.

Ein Jahr später standen wir in Leverkusen vor dem Rathaus, vereint in unserer Ratlosigkeit. Wir sehen das Leid. Auf beiden Seiten. Auf allen Seiten.

Für mich gab es vor allem zwei Gründe, an der Mahnwache teilzunehmen und öffentlich zu sprechen. Zum einen finde ich es wichtig, dass wir immer wieder daran erinnern müssen, wer dieses Leid ausgelöst hat, nämlich die Hamas. Und wer es beenden könnte, und zwar jederzeit: die Hamas. 

Der zweite Grund ist — und ich hätte früher nie gedacht, dass das mal nötig werden würde — weil ich möchte, dass sich Jüdinnen und Juden in Deutschland mit der allergrößten Selbstverständlichkeit sicher fühlen können. So wie alle anderen Menschen auch. Dafür möchte ich mich einsetzen.

Ich bedanke mich bei Joshua Kraski für die Einladung, und ich danke den Vertreter*innen von CDU, SPD und FDP, die ebenfalls geredet haben, für ihre differenzierten Beiträge.